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Zehn Jahre nach dem Flüchtlingssommer: Wo steht Deutschland heute?
Im August 2015 sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren historischen Satz: „Wir schaffen das“. Deutschland öffnete daraufhin seine Türen für Hunderttausende Asylsuchende, vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Zehn Jahre später hat sich die Migrations- und politische Landschaft des Landes grundlegend verändert – mit Integrationserfolgen und einer Verschärfung der Migrationspolitik.
Zwischen 2015 und 2016 beantragten rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland Asyl – eine in Europa beispiellose Zahl. Mehr als die Hälfte dieser Anträge wurde bewilligt, wodurch fast 1,5 Millionen Menschen ein Aufenthaltsrecht erhielten. Seitdem haben neue Migrationswellen, insbesondere aus der Ukraine nach der russischen Invasion 2022, einen neuen Meilenstein erreicht und die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland auf 1,3 Millionen erhöht.
Die Arbeitsmarktintegration bleibt einer der wichtigsten Erfolgsindikatoren. Den Forschern zufolge sind die Ergebnisse gemischt: Die Mehrheit der jungen Flüchtlinge findet nach einigen Jahren eine Beschäftigung, während ältere Menschen und Frauen größere Schwierigkeiten haben, insbesondere aufgrund der Sprachbarriere und der Nichtanerkennung von Abschlüssen. Die Gehälter sind im Durchschnitt weiterhin niedriger als die deutscher Arbeitnehmer.
Sprachlich verfügt fast die Hälfte der Flüchtlinge über gute Deutschkenntnisse, doch die Kluft zwischen Männern und Frauen ist deutlich, und Mütter kleiner Kinder werden bei ihrer Ausbildung und beruflichen Integration oft behindert.
Seit 2016 haben rund 414.000 Flüchtlinge die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, darunter 244.000 Syrer. Während einige eine Rückkehr in ihr Herkunftsland in Erwägung ziehen, hat sich die Mehrheit für eine dauerhafte Niederlassung entschieden, indem sie Unternehmen gründet und ihre Kinder in Deutschland zur Schule schickt.
Die öffentliche Meinung hat sich jedoch gewandelt. Während 2015 noch eine Mehrheit die Aufnahmepolitik unterstützte, sind heute fast 70 % der Deutschen der Meinung, dass das Land die Zahl der Flüchtlinge reduzieren muss. Dieser Wandel spiegelt sich in der Politik wider: Nach einer Phase der Öffnung haben aufeinanderfolgende Regierungen die Regeln verschärft, den Familiennachzug eingeschränkt, die Grenzkontrollen verstärkt und die Abschiebungen erhöht. Der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz zögert nicht, Deutschland als „eindeutig gescheitert“ zu bezeichnen.
Forscher relativieren diese Beobachtung jedoch: Die Integration sei zwar nicht perfekt gewesen, aber viele der 2015 gesetzten Ziele seien erreicht worden. Für sie besteht die Herausforderung nicht mehr darin, die Debatte der Vergangenheit neu zu führen, sondern Lösungen zu finden, die an die aktuellen Herausforderungen angepasst sind – zwischen dem Bedarf an Fachkräften und dem anhaltenden Migrationsdruck.